Zum 1. Adventsonntag

Alpha-und-OmegaAuf dem Hintergrund der Lesungen des ersten Adventsonntags (Jes 2, 1-5; Röm 13, 11-14a; Mt. 24, 29-44) lassen sich die ‚Eckpunkte der Christen-Existenz‘ herauskristallisieren. Laut dem Propheten Jesaja werden alle Völker „am Ende der Tage“, zum „Berg des Herrn“ strömen. Denn über das Haus Israel und das Haus Juda“ wurde eine Verheißung ausgesprochen, „von Zion kommt die Weisung des Herrn, aus Jerusalem sein Wort.“ Was bringt die Verheißung? Heil, Frieden und Sicherheit, „man zieht nicht mehr das Schwert, Volk gegen Volk und übt nicht mehr für den Krieg“. Der Römerbrief setzt weiter fort und kündet die baldige Erfüllung der Verheißung an. „Die Nacht ist vorgerückt, der Tag ist nahe“. „Die Stunde ist gekommen, aufzustehen vom Schlaf.“

Es scheint also, dass es zwischen der Verheißung und ihrer Erfüllung eine gewisse Wartezeit gibt, einfach den Alltag, dessen ‚Kram’ die geistlichen Kräfte dermaßen abstumpfen kann, dass sie in einen Schlaf verfallen. „Anstelle des einen großen Kreuzes klumpen sich viele kleine zusammen, wirr durcheinander, stachlig wie ein Igel, wenn man sie in die Hand nimmt. (…) Dabei ist der alltägliche Kram so formlos zusammengebacken, dass man sich des Schmerzens nicht einmal rühmen kann.“ [1] Und welcher Held kann sich von diesem dumpfen Schlaf der Alltagsroutine tatsächlich befreien?

Verheißung und Erfüllung, Anfang und Ende, Sonnenauf- und Niedergang – Eckpunkte an denen unsere menschliche Existenz aufgespannt ist. Der Rest ist ein mühevolles ‚Dazwischen‘, eine ‚Wartezeit‘ der sich durch die Jahrzehnte und Epochen ziehenden Warteschlange von Männern und Frauen, deren Ideale eher Träumen als der Wirklichkeit entsprechen. Jedoch ist die Botschaft des Evangeliums von heute deutlich: Selbst wenn „die Sterne vom Himmel fallen werden und die Kräfte des Himmels erschüttert werden“, ER kommt. „Mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken des Himmels“ – und somit sind unser Leben und unsere Erlösung ‚gesichert‘. Gerade dort, wo unsere Kraftlosigkeit ihren Gipfel erreicht und der Mensch in einen dumpfen Schlaf verfällt, „erwacht der Herr wie aus dem Schlaf, wie ein Held, der betäubt war vom Wein“ (Ps. 78,65)

Es lohnt sich, zu warten, es lohnt sich, zu wachen, es lohnt sich, weil Er und nur Er die Verheißung ER-füllen kann. Seine unerwartete Ankunft (lat. adventus) erweckt nämlich zur Fülle des Lebens.

[1] Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz