10. Februar – Hochfest der Hl. Scholastika

Zum Hochfest der Hl. Scholastika veröffentlichen wir heute nochmals folgendes Gedicht – mit der Anregung, es aus der Sicht der Hl.Scholastika zu lesen:

Wenn die Liebe donnert.
(Über die Bekehrung des Hl. Benedikt)

Sci-Benedictus-et-Scholastica1 (1)

Er kam
zog die Schuhe aus
setzte sich nieder
starrte auf den Tisch
Gesicht im Staub
„Hier bin ich“,
sagte: Sprich

     Sie erwartete ihn beim Tisch
     umarmte mit dem Blick
     öffnete die Hand
     reichte ihm das Tuch
     „Wisch dein Gesicht ab“, sagte sie

„Aber nein, Schwester
dein Tuch ist mir zu teuer“
Er wischte sein Gesicht mit dem Ärmel ab
hob die Augen zum Himmel
„Vergeude nicht meine Zeit“,
sagte: Sprich

     „Sind deine Füße etwa nicht kalt“, fragte sie zart
     reichte ihm den Wollschal
     „ich umwickle sie“,

Aber nein, Schwester
lass mich in Ruh
gib deinen Schal den Armen
und sag endlich
was dir weh tut

     Ich gehorche, mein Bruder
     doch Pein quält mein Gemüt
     da ich Dir nicht mal ein Weinschluck bat
     du bist für mich zu gut

Ach Frau! Bist du ja blind?
Schau auf mein Gesicht
du sprichst mit einem Asket
dein Tuch, deinen Schal, den Weinschluck
brauche ich nicht!

     Verzeih mir die Blindheit, liebste Bruder
     bist du aber nach dem langen Weg nicht etwas müde?
     Vielleicht ein Schläfchen?

Glaubst du, ich bin so schwach?
Ich kann Nachtwachen halten
warum verzögerst du das ernste Gespräch
sag ein Wort, lass mich nicht länger warten!

     Ja, ja, du hast Recht
     doch es fällt mir schwer das Wort zu ergreifen
     wenn ich dich so im Durchzug sitzend sehe
     soll ich dir eine Decke reichen?

Mir reicht’s!
Dir geht’s nicht um die Dinge
um welche ich tags und nachts sehnsüchtig ringe

     Wonach sehnst du dich Bruder?

Oh, hättest du gewusst, Schwester
du wirst es aber nicht fassen
bist zart wie eine Taube
und ich
ich wohne in der Höhle
unter Kälte und Hunger
die Nächte fürchte ich nicht
auch wenn der Wind schlägt mich
ins Gesicht

     Ich bewundere dich, mein Bruder…

Das ist aber nicht alles
ich bin beim Regelschreiben
ich las Basilius den Großen
auf Griechisch…

     Ich bewundere dich, mein Bruder…

Ich muss klare Strukturen schaffen
damit sie sich auskennen
meine Brüder, meine Brüder…

[Sie schweigt. Die Glocke läutet. Es ist Mitternacht]

Jetzt steh ich aber auf
die Stunde ist da
ich muss eilen

     Mein Bruder, geh doch nicht, bitte…

Aber nein, Schwester
wo sind deine Manieren?!
Ich gelobte
ich gehe…

     Geh Bruder, wenn du kannst
[Sie faltet die Hände zusammen. Es donnert]

Er kam zurück
zog die Schuhe aus
(sie waren ganz nass)
setzte sich nieder
blickte ihr in die Augen
Gesicht im Schlamm
„Hier bin ich“, sagte er
„Hättest du noch dieses Tuch?“

     Sie erwartete ihn beim Tisch
     Umarmte ihn mit dem Blick
     öffnete die Hand
     reichte ihm das Tuch
     „Wisch dein Gesicht ab“,

Meine Füße sind so kalt
es schüttet und hagelt
hättest du noch diesen Wollschal?

     Aber ja…

Hab noch so viel Sand im Mund
ein Schluck Wein wäre ganz gesund…

     Ich diene…

Wäre ein kleines Schläfchen
ausnahmsweise erlaubt?
Die Müdigkeit überfiel meine Glieder
Richtest du mir die Decke, ich lege mich nieder

     Ich diene…

[Eine Weile später]

Was machst du, Schwester?

     Ich bin da

Er schweigt

     Sie schweigt

Du weißt wohl von den Dingen
um die ich tags und nachts sehnsüchtig ringe…

     Sie lächelt ihn an

Du bist nicht blind
doch ich war taub
du hast mir das Wort so deutlich gezeigt
Jetzt sag’s aber, was soll ich ihnen schreiben?

     Höre…

(R.K., 11.05.2016)