Spiritualität

Hl. Benedikt von Nursia (um 480–547)

Hl. Benedikt von Nursia (um 480–547)

Als Benediktinerinnen der Anbetung gehören wir der großen benediktinischen Familie an, deren Spiritualität auf der Regel des Hl. Benedikt und dem monastischen Leben basiert. Schon seit 1500 Jahren ist der hl. Benedikt als eine geheimnisvolle Persönlichkeit bekannt. Obwohl wir einen Alten mit langem grauen Bart und schwarzer Kapuze vor Augen haben, bleibt er doch ohne Gesicht. 

Die einzige Quelle über sein Leben ist das II. Buch der Dialoge des hl. Papstes Gregor des Großen. Er hat sie ungefähr 50 Jahre nach Benedikts Tod verfasst.

Benedikt wurde in Nursia in der Provinz Umbrien ca. 480 n. Chr. geboren. Er entstammte einem angesehenen Geschlecht. Als junger Mann ging er nach Rom, um die freien Künste zu studieren. Bald aber verließ er die ewige Stadt und zog sich in eine Höhle in Subiaco zurück. Romanus, ein Mönch aus einem nahegelegenen Kloster, versorgte ihn mit Essen. Dort lebte er in der Einsamkeit für 3 Jahre, mit “dem, der ihn aus der Finsternis ins wunderbare Licht gerufen hat”.

Mit der Zeit kamen immer mehr junge Männer. So entstanden die ersten Klöster. Um das Jahr 528 zog er mit seinen Mönchen nach Montecassino und blieb dort. Über sein Leben gibt es viele Wunderberichte. Das Denkmal, das er uns selbst hinterlassen hat, ist die Regel.

“Wer sein Wesen und sein Leben genauer kennenlernen will, kann in den Weisungen dieser Regel alles finden, was er als Meister vorgelebt hat. Der heilige Mann konnte gar nicht anders lehren, als er lebte.”
(Dialoge des hl. Gregor, 2. Buch, 36)

Monastisches Leben
Die Berufung einer Benediktinerin ist die Berufung zum monastischen Leben. Was bedeutet das? Das Wort “monos” (Mönch) bestimmt diesen, der in der Einsamkeit lebt. Es handelt sich nicht um die Einsamkeit im äußeren Sinn, sondern um das Leben mit und in Gott – in unserem Herzen, in unserer inneren Kammer.

Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und schließ die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. (Mt 6,6)

In Gott leben, in Gott zu sein ist der Grund des monastischen Lebens.

Was noch für die monastische Spiritualität bezeichnend ist:
Metanoia: tägliche Umkehr, Tag für Tag bereit zu sein, sich von Gott verändern zu lassen.
Pax benedictina: Frucht der Metanoia. Tiefer Friede des Herzens, der von Gottes Gnade ausströmt.
Ora et labora: bete und arbeite. Das ist tief verwurzelt in der benediktinischen Tradition. Wir bemühen uns nicht zu vergessen, dass das Wichtigste dabei “et” ist, das heißt: Maß halten und das Gleichgewicht zu suchen zwischen Gebet und Arbeit.

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Die benediktinische Spiritualität ist durch und durch eine “Oster”-Spiritualität.
Was heißt das?

In der Regel Benedikts steht, dass der Mönch immer ein Leben wie in der Fastenzeit leben soll – hier ist nicht der Verzicht, das Fasten gemeint, sondern die Hoffnung auf Ostern, auf die Auferstehung, auf das Leben! Der Mönch lebt in der ständigen Erwartung auf den Herrn (eschatologisch) und auf das ewige Leben. Er lebt die Hoffnung, die Erwartung, das Ostern! Im 2. Buch der Dialoge des Hl. Gregor lesen wir, wie ein Priester den Hl. Benedikt in seiner Höhle aufsucht, der vor lauter Askese und Einsamkeit vergessen hatte, das Ostern ist. Er musste einsehen, dass die geistliche Freude neben Fasten und Gebet nicht weggelassen werden darf.

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An dieser Stelle noch ein musikalisch-spirituelles Kunstwerk:
Der Pianist und Komponist David Ianni aus Luxemburg hat in seinem Stück “Obsculta” (dt.: “Höre”) die Anfangsverse der Regel Benedikts vertont: